Die evangelische Pfarrkirche Fachsenfeld

Die evangelische Pfarrkirche Fachsenfeld stammt aus der Reformationszeit
Sie ist (nach der Stuttgarter Schlosskirche) die zweitälteste rein evangelische Kirche in Württemberg.

Die Geschichte der evangelischen Pfarrkirche ist eng mit den Edelfreien von Woellwart verknüpft.
Die Familie stammt aus dem Ries. Die Staufer gaben ihnen die Burg Wellwart bei Harburg/Donau als Lehen. Sie verlagerten ihren Schwerpunkt jedoch bald in den Raum der Ostalb. 1401 kaufte  Georg von Woellwarth das Reichslehen Schneggenrode (heute „Hohenroden“).
Seine Söhne teilten 1410 den Besitz  und begründeten die ältere Laubacher-Linie  und die jüngere Lauterburger Linie. Der Laubacher Linie gehörten Laubach (Gde. Abtsgemünd), Attenhofen, Fachsenfeld, Waiblingen (alle Stadt Aalen) und Polsingen (Lkr. Weißenburg-Gunzenhofen)

1569 führte Reichsritter Hans Siegmund von Woellwart (1546 – 1622) in seinem Territorium den evangelischen Glauben ein.
Um seine Untertanen vom Kirchgang ins katholische Ausland (etwa nach Dewangen) abzuhalten, ließ er in seinem Territorium drei Kirchen bauen. Sie sind alle drei nach dem gleichen Bauplan errichtet:
1591 die evangelische Pfarrkirche in Fachsenfeld,
1596 die evangelische Kirche in Polsingen,
1604 die evangelische Pfarrkirche in Leinroden. 

 

Hans Sigmund von Woellwart versuchte, durch eine spezifische Architektur den neuen evangelischen Glauben auszudrücken. So finden sich in allen drei Kirchen folgende besondere evangelische Merkmale: 

  • Hinter der alten Eingangstüre ist rechts und links (anstelle von Weihwasser) an der Türleibung das Bekenntnis zum evangelischen Abendmahl, das immer in „beiderlei Gestalt“ gefeiert wird:
    Die beiden 400 Jahre alten steinernen Inschriften lauten:  
    rechts: „Der Leib unseres Herrn Jesu Christi speise und bewahre euch zum ewigen Leben Amen“.  links:  „Das Blut unseres Herrn Jesu Christi tränke und bewahre euch zum ewigen Leben. Amen“.
  • Das überlebensgroße Sandsteinkruzifix am Altar zeigt, dass für Evangelische Jesu Christi Tod am Kreuz das Wichtigste ist. Er ist für unsere Sünden gestorben. Wir hören dies aus Gottes Wort (aus der Bibel auf dem Altar) und spüren dies beim heiligen Abendmahl. Wenn wir uns an ihn halten, werden wir vom Tod errettet.
  • Das Kruzifix ist so alt wie die Kirche. Es  wurde von einem Aalener Steinmetz aus einem Stück gearbeitet

Der „Stifterstein“ an der südlichen Wand erinnert an den Erbauer: „Hans Sigmund von Woellwart, das christlich Blut, stift Pfarr- und Schul von eignem Gut, und baut die Kirch von neuem dar, im tausend fünfhundert eins und neunzigstem Jahr“. Darüber der Halbmond, das Woellwart’sche Wappen. 
 Hans Sigmund von Woellwart ließ Kirchen und Schulen von seinem Privatvermögen bauen. Er  richtete Stiftungen ein, um Lehrer und Pfarrer zu besolden. Daneben ließ er Mühlen und  Schafhöfe bauen.

Als er starb, umfassten seine Bauten eine vergleichsweise größere Fläche, als die  ganze damalige ummauerte Stadt Aalen.  


Der Erbauer starb hochbetagt mit 76 Jahren. Er ist in der Kirche begraben. Die Grabplatte über der Krypta liegt im Mittelgang vor dem Chorraum. Sein Epitaph (eine Gedächtnisplatte, die an ihn erinnert) befindet sich links neben dem Taufstein. Hans Sigmund von Woellwart ließ es noch zu seinen Lebzeiten herstellen. Sein Sterbedatum wurde erst nachträglich eingefügt.

Hinter dem Altar befinden sich die Epitaphe seiner Schwägerin und seiner Mutter.

Hans Sigmund von Woellwart hatte in 2 Ehen 32 Kinder. Die meisten starben sehr früh An den Wänden links und rechts im Chorraum befinden sich 13 Grabsteine von seinen Kinder und Enkelkindern.

 

In Fachsenfeld endete 1806 die Dynastie der Reichsritter von Woellwart-Laubach.

1806 kauften die Freiherren von Koenig-Fachsenfeld das Anwesen von Schloss Fachsenfeld und übernahmen das Patronat für die evangelische Kirche.

Freiherr Franz von Koenig-Fachsenfeld baute 1908/1909 die Kirche grundlegend um. Auf eigene Rechnung ließ er die ganze Inneneinrichtung aus dunkler Eiche neu anfertigen. Dazu gehören viele Kirchenbänke, die Kanzel und die Empore. Auch einen neuen Taufstein und den Vorbau vor der Kirche ließ er anfertigen.

Als besonderen Akzent für die Kirche gab er Prof. Herrmann Pleuer den Auftrag, das Gemälde „Die heilige Nacht“ für die Kirche zu malen. Es ist Pleuers einziges Gemälde mit christlichem Motiv. Er vollendete es 1909, kurz vor seinem Tod. 
Die Evangelischen beteiligten sich am Umbau mit dem Kauf je einer Bank.

Die Namen der evangelischen Familien aus Fachsenfeld und den Weilern und Höfen sind an den Wangen der Sitzbänke heute noch ablesbar.   

 

Alle drei Woellwart-Kirchen sind jeweils von einem evangelischen Friedhof umgeben.

Angehörige der Familie Woellwart wurden in allen drei Kirchen bestattet, wie viele Epitaphe beweisen. 
Angehörige der Familie von Koenig-Fachsenfeld sind in Fachsenfeld auf dem „Baronen-Friedhof“, einem südlich der Kirche gelegenen, extra abgetrennten Bereich des evangelischen Friedhofs bestattet.

Mit dem Tod von Freiherr Reinhard von Koenig-Fachsenfeld endete 1992 die Patronatsherrschaft.